Sicherheit geht vor: Welche Vorschriften für Bremsen gelten in Deutschland?

Sicherheit geht vor: Welche Vorschriften für Bremsen gelten in Deutschland?

Der Commodity Manager Onur Algan ist bei EUROPART im Competence Center für Werkstattausrüstung tätig.

Fragen & Antworten

Nicht nur was die Qualität des Materials anbelangt, sondern auch hinsichtlich der Funktionsprüfung. So müssen Bremsenprüfstände schon bald erweiterte Vorgaben erfüllen.

Was für Vorschriften gelten in Deutschland für Bremsen?

Onur Algan: Geht es um Bremsen, versteht der Gesetzgeber keinen Spaß: Strenge Vorschriften regeln in Deutschland die Bedingungen für die Zulassung und die Überprüfung von Kraftfahrzeugbremsen. Nicht streng genug waren offenbar die Regelungen, auf denen die bislang übliche Bremsprüfung und der Betrieb der gängigen Bremsenprüfstände beruhten. Daher hat das Bundesverkehrsministerium bereits 2011 im Paragraf 29 der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) eine neue Richtlinie mit dem Ziel erlassen, die Bremsenprüfung an die heutige Fahrzeugtechnik anzupassen.

Ab Januar 2020 ist es soweit, wie sieht es eigentlich in den Werkstätten aus?

Onur Algan: In Deutschland bestehende Bremsenprüfstände erfüllen teilweise bis heute nicht die neuen Anforderungen. Erst Anlagen, die nach Oktober 2011 eingebaut wurden, erfüllen die neuen Vorgaben. Für alle älteren Prüfstände rückt der Termin für die verpflichtende Um- oder Aufrüstung mit großen Schritten näher. Wie gesagt, ab Januar 2020 dürfen keine Bremsprüfungen mehr – und damit weder HU noch SP – mit den alten Bremsenprüfständen ausgeführt werden. Daher empfehle ich dringend eine baldige Neuanschaffung oder eine Umrüstung der bestehenden Anlage. Für beide Varianten halten wir Lösungen bereit und bieten kompetente Beratung durch geschulte Experten an.

Wie sieht die Richtlinie genau aus?

Onur Algan: Der Maßnahmenkatalog der neuen Richtlinie soll neben der Anpassung an die neue Fahrzeugtechnik auch einen verlässlichen Nachweis der Ergebnisse sowie eine Vergleichbarkeit der Prüfungen gewährleisten und menschliche Einflüsse möglichst ausschließen. So müssen Bremsenprüfstände künftig über eine standardisierte Datenschnittstelle (ASA-Livestream) verfügen. Rollenprüfstände müssen einen Rollendurchmesser von mindestens 200 Millimetern aufweisen und einen Reibungskoeffizienten von 0,7 im trockenen und 0,6 im nassen Zustand zwischen Reifen und Rolle haben. Für PKW und Transporter bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht (M1 und N1 Fahrzeuge) ist eine Prüfgeschwindigkeit von 4 km/h vorgeschrieben. Weitere Vorgaben umfassen die Prüfung selbst: Diese darf künftig nur noch nach dem Bezugswerteverfahren zur Ermittlung der Mindestbremskraft bezogen auf den Bremssystemdruck durchgeführt werden. Die Angaben zum Bremssystemdruck sind bei den Fahrzeugherstellern erhältlich. Wahlweise ist auch eine Prüfung mit einem Pedalkraftsensor zur Ermittlung der Fußbremskraft am Bremspedal zulässig. Für Plattenprüfstände sind neben der Mindestlänge von 1,5 Metern die Messung der tangentialen Schubkraft sowie eine Auffahrgeschwindigkeit von 8 bis 12 km/h vorgeschrieben. Nicht korrekt durchgeführte Messungen dürfen dabei nicht angezeigt werden.

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